Freitag, 2. Dezember 2016

Morgenmalen: Zu schnell

Der Sturm tobte. Sie konnte sich nur noch an ihrem Boot festhalten und hoffen, dass es den Wellen standhalten würde. Es ging alles viel zu schnell. In ihrem Kopf drehte sich alles und wirbelte durcheinander. Nichts schien mehr an seinem Platz zu sein und alles, was sie bisher an Wissen erworben hatte, schien nichts zu nutzen. Ihr fehlte es einfach an Erfahrung. Voller Wut kämpfte sie gegen den Sturm, stellte das Segel gegen den Wind, bis es beinahe zerriss. Kurz bevor sie unterzugehen drohte, nahm sie eine Stimme in ihrem Inneren wahr, die sie ruhig bat, das Segel einzuholen und sich selbst zu setzen und den Sturm vorbeiziehen zu lassen. Sie ignorierte diese Eingebung. Nein, sie würde nicht aufgeben. So weit war sie jetzt gekommen. Sie würde keine Schwäche zeigen. So viel Stolz hatte sie trotz des kräftezehrenden Kampfes noch in sich.
Sie hörte das Zerreissen von Stoff und das Boot kippte gefährlich zur Seite. Sie hatte verloren. Es ging alles viel zu schnell. Und plötzlich wurde ihr klar, dass es jetzt egal war, ob sie kämpfte oder das Segel einholte und abwartete. Sie schluckte all ihren Stolz hinunter und holte das gerissene Segel ein, vergrub sich darunter und weinte leise vor sich hin.

Morgenmalen Zu schnell


...wie es weiter geht...