Dienstag, 20. Dezember 2016

Mein naiver Weihnachtswunsch

Was gestern in Berlin passiert ist, lässt sich für mich nicht in Worte fassen. Wie vieles, was gerade auf unserer Welt passiert. Ich habe aufgehört, Zeitungen und News zu lesen, weil ich mich dem Elend in unserer Welt so hoffnungslos ausgeliefert fühle. Ich will helfen, tun, trösten - und habe keine Ahnung wie. Es ist zu viel, es ist zu groß, es ist zu mächtig - ich fühle mich komplett handlungsunfähig, schockiert, erstarrt und überfordert.
Um mich zu schützen, habe ich mich in mein Schneckenhaus zurückgezogen und gemerkt, dass ich mich dort nicht besser oder sicherer fühle.
Und als ich gestern über Facebook die Meldungen bekam, welche meiner Freunde sich in Sicherheit befanden, konnte ich mich nicht länger verkriechen.

Aus der Malerei weiß ich, dass das Licht, dort, wo es am dunkelsten ist, am hellsten strahlt.
Will heißen: willst Du es hell und strahlend, musst Du es an der Stelle erst so dunkel wie möglich machen. 
Diese Technik ist so universell, so einfach, so groß und allgemeingültig, dass es mir den Mut gibt, weiter an das Gute im Menschen zu glauben und dem Leben zu vertrauen.
Ich kann den Schmerz und das Leid in dieser Welt nicht verhindern, aber ich kann für Menschen, denen ich begegne, da sein -  und etwas Licht und Farbe in ihr Leben bringen.
So frage ich mich jeden Tag, in meiner kleinen Welt, was mein Leben bunt macht und bin jeden Tag dankbar, für das, was ich sein und tun, haben und teilen darf.

Und wenn das jeder täte, auch nur einmal am Tag, dann wäre mein Weihnachtswunsch gar nicht mehr so naiv.




Dienstag, 6. Dezember 2016

Morgenmalen: Sonnenaufgang

Sie spürte, dass sich etwas Grundsätzliches in ihr verändert hatte. Sie konnte es noch nicht genau benennen, aber sie wusste, dass sie eine Lernaufgabe in ihrem Leben gemeistert hatte und das erworbene Wissen nun vom Bewusstsein in ihr Unterbewusstsein geflossen war. Es war das Gefühl, als ob sich in ihrem Inneren etwas gesetzt hatte. Sie atmete tief durch.
Sie stand da, mit zittrigen Knien und konnte noch nicht erkennen, was jetzt auf sie zukam. Sie spürte jedoch, dass sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und sich dem Leben voller Vertrauen hingeben konnte. Und so ging die Sonne auf. Und ihr kam es so vor, als ob auch in ihr eine Sonne, ihre Sonne aufgehen würde. Sie wurde überströmt von Freude und beschloss, den Tag für sich voll und ganz zu genießen.

Morgenmalen Sonnenaufgang







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Freitag, 2. Dezember 2016

Morgenmalen: Zu schnell

Der Sturm tobte. Sie konnte sich nur noch an ihrem Boot festhalten und hoffen, dass es den Wellen standhalten würde. Es ging alles viel zu schnell. In ihrem Kopf drehte sich alles und wirbelte durcheinander. Nichts schien mehr an seinem Platz zu sein und alles, was sie bisher an Wissen erworben hatte, schien nichts zu nutzen. Ihr fehlte es einfach an Erfahrung. Voller Wut kämpfte sie gegen den Sturm, stellte das Segel gegen den Wind, bis es beinahe zerriss. Kurz bevor sie unterzugehen drohte, nahm sie eine Stimme in ihrem Inneren wahr, die sie ruhig bat, das Segel einzuholen und sich selbst zu setzen und den Sturm vorbeiziehen zu lassen. Sie ignorierte diese Eingebung. Nein, sie würde nicht aufgeben. So weit war sie jetzt gekommen. Sie würde keine Schwäche zeigen. So viel Stolz hatte sie trotz des kräftezehrenden Kampfes noch in sich.
Sie hörte das Zerreissen von Stoff und das Boot kippte gefährlich zur Seite. Sie hatte verloren. Es ging alles viel zu schnell. Und plötzlich wurde ihr klar, dass es jetzt egal war, ob sie kämpfte oder das Segel einholte und abwartete. Sie schluckte all ihren Stolz hinunter und holte das gerissene Segel ein, vergrub sich darunter und weinte leise vor sich hin.

Morgenmalen Zu schnell


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